Paradoxe Intervention
Im Moment lese ich “Das Prinzip Summerhill: Fragen und Antworten” von A. S. Neill, dem Pädogogen, welcher stets die persönliche Freiheit von Kindern befürwortet hat.
Völlig abgesehen davon, dass sich das Buch wunderbar liest, und ich selten ein Buch in der Hand hatte, bei welchem ich am liebsten ausnahmslos jede Aussage unterstreichen würde, enthält “Das Prinzip Summerhill” jede Menge interessanter Lösungsansätze pädagogischer Probleme. So schreibt Neill:
Die Hauptsache ist, dass man auf der Seite des Kindes steht, das gilt für Eltern und Lehrer. Öfters habe ich mich beteiligt, wenn ein kleiner Junge Fensterscheiben einwarf, indem ich mit ihm zusammen Steine warf. Es war ein gemeiner Trick von mir, denn ich verdarb ihm seinen Spaß. Er wollte keine Scheiben zerbrechen, er wollte das Gesetz brechen, und da ich sein neuer Schulleiter, für das Gesetz stand, wurde der arme Junge an sich selber irre und stellte natürlich seine Zertrümmerung ein. (S. 60)
Herrlich, oder?
Sammelsurium, Teil II
Kurze Zusammenfassung der interessanteren Dinge, über die ich in der letzten Zeit gestolpert bin:
- Using Photographs to Enhance Videos of a Static Scene – Heftig, wie gut Programme mittlerweile mit Bilder- und Videodaten umgehen können. In besagtem Clip wird zusätzlich zu dem via Camcorder aufgenommenen Film mit einer digitalen Spiegelreflexkamera alle X Frames ein Bild geschossen. Diese Bilder werden dann intelligent in das Video eingearbeitet, womit die Bildqualität des Videos drastisch verbessert wird. Hier ein Paper zu dem Thema
- 389 Years Ago poster – Typografische Zusammenfassung der Diskriminierung Farbiger in den USA, seit die ersten Sklavenschiffe aus den amerikanischen Kolonien eingetroffen sind
- Quick demo of the CubeCheater iPhone app – Originelles Programm fürs iPhone. Ein Bild eines ungelösten Rubikwürfels wird geknipst, das Programm berechnet die notwenigen Schritte zur Lösung
- Kyrgyzstan is under a massive denial of service attack – 3/4 Kirgisischen ISPs sind durch einen DDoS-Angriff lahmgelegt worden, vermutlich von russischen Crackern. Mehr dazu auf Golem
- “Ich habe keinen Supercomputer in meinem Kopf” – Daniel Tammet, ein autistischer Savant erläutert sein Denken. Interessanterweise ist er nur dazu in der Lage, da er acht Geschwister hatte, und von daher gewzungen war, eine für Autisten außergewöhnliche Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln. Ein Blog hat der Mann auch noch
- “We’re all gonna die” – Anschauen!
25C3 – ein kurzes Fazit

Vom 27. bis zum 30. Dezember des letzten Jahres fand die alljährliche viertägige Konferenz des Chaos Computer Clubs, genannt “Chaos Communication Congress”, im Berliner Kongresszentrum in Berlin, statt.
Was soll ich sagen – zuerst einmal war es der erste Kongress, bei dem ich persönlich anwesend war, und ich muss einräumen, zuvor nur ziemlich diffuse Vorstellungen von dieser Veranstaltung gehabt zu haben, die sich größtenteils relativ schnell relativierten.
Zuersteinmal – die Location, also das bcc am Alexanderplatz, ist großartig, vor allem der große Kuppelsaal (Bild) besticht durch eine intelligente und schlichte Gestaltung. Die Infrastruktur war beachtlich, in jedem noch so abgelegenen Winkel ließ sich eine Netzwerkstrippe finden, damit man mit akzeptabler Geschwindigkeit an dem allgemeinen, absolut unerlässlichen Gut “Internet” teilhaben konnte, und selbst wenn nicht, funktionierte das WLAN weitgehend stabil. Auch die Streams der Vorträge über das Netzwerk liefen einigermaßen zuverlässig, wobei ich sagen muss, dass bei diesem Kongress die Streams von besonderer Bedeutung waren, da die Sääle mit den wirklich interessanten Vorträgen vor Beginn schon so überfüllt waren, dass aus Sicherheitsgründen ab einem bestimmten Punkt keine weiteren Besucher mehr zu den Vorträgen hineingelassen wurden. Es gilt zu hoffen, dass der nächste Congress im ICC oder einer ähnlichen, größeren Location stattfindet.

Die Vorträge waren teilweise wirklich hochwertig und interessant, hier eine kurze Liste über die Vorträge die mich persönlich beeindruckt haben:
- Handschellen hacken – die “Freunde der Sperrtechnik e.V.” (oder so ähnlich) erläutern die Konstruktionsfehler in gängigen Handschellenmodellen und erklären, wie sich auch hochwertigere Handschellen öffnen lassen. Sinnlos aber interessant.
- The Infinite Library – Soziologin Rose White erläutert, wie Menschen sich mit Pornografie auseinandersetzen und ihre Sammlungen von pornografischen Materialien verwalten. Vor allem die Fragen nach dem Vortrag waren durchaus originell.
- Running your own GSM network – Referent Harald Welte erläutert, wie sich mit einem von Ebay käuflichen erworbenen BSC (Base Station Controller) und einer quelloffenen Software ein eigenes GSM-Netz einrichten lässt. Ursprünglich war ein Anruf über das DIY-GSM-Netz vorgesehen, allerdings war die Entwicklung der Software zum entscheidenen Punkt noch nicht weit genug. Spannend war der Moment in dem die Kameras abgeschaltet wurden (auf dem GSM-Band senden zu dürfen scheint eine Lizenz zu erfordern, weswegen das Experiment streng genommen illegal war) und die Basisstation in Betrieb genommen wurde. Mein Handy buchte sich in das Netz ein, da die Basisstation stärker empfangen wurde als die außerhalb des Hauses befindlichen Funkmasten und empfing eine SMS mit dem Inhalt “25c3-service announcement: Please attend to the GSN talk at 11:30 in Saal 1!
”. Gleichzeitig wurde eine ID jedes eingeloggten Handys auf dem Beamer angezeigt. Insgesamt etwas beunruhigend das Ganze, da ich denke, dass sich das gesamte Setup mit etwas boswilliger Absicht und ein wenig mehr Aufwand zu einem vollständigen IMSI-Catcher aufbohren ließe. - Stormfucker: Owning the Storm Botnet – Eine Gruppe von Hackern reverse engineered den Virus, der infizierte Rechner zu Bots macht und fleißig Spam verschicken lässt. Gegen Ende des Vortrags wurde demonstriert, wie ein einzelner infizierter Client übernommen wird.
Selbstverständlich lassen sich die Aufnahmen der Vorträge auch via FTP/Bittorrent herunterladen, ich selbst werde mir den ein oder anderen verpassten Vortrag noch in Ruhe zu Gemüte führen müssen.

Als Fazit würde ich sagen, dass mir die Atmosphäre sowie fachliche Inhalte und Angebote auf dem Kongress durchaus gefallen haben, die Überfüllung sowie andere organisatorische Unzulänglichkeiten das ganze allerdings etwas versaut haben. Was solls – nächstes Jahr wird bestimmt besser.
Gehirnfick #1

Ricardo Salamanca frickelt verstörende Bilder von Menschen mit verpuzzelten Gliedmaßen, mit einer sehr eigenartigen Ästhetik. Durchaus teilweise etwas derbe, aber definitiv interessant.
Nick Veasey’s Röntgen-Fotos

“I’m interested in how things work, and x-rays show what’s happening under the surface.”
Der Brite Nick Veasey widmet sich der Fotografie auf eine völlig andere Art und Weise; mit Röntgengeräten, welche für gewöhnlich für industrielle oder militärische Zwecke verwendet werden, blickt er in Objekte und Lebewesen hinein. Wie wired schreibt, hat er bereits 4000 Objekte, wie Traktoren, Öfen, Kleidungsstücke, und sogar eine Boeing 777 durchleuchtet.
Was soll ich noch sagen…schaut es euch selbst an.
Sammelsurium, Teil I
Es wird Zeit, meine kleine Linkschleuder hier zu reanimieren. Hier ein kleines Potpourri an den Geschichten, welche in jüngerer Zeit meine Aufmerksamkeit erregt haben…
- Die neue Quälwaffe von Raytheon – Ein weiterer Vertreter der “nicht-tödlichen” Waffen. Soll mittels Mikrowellen Menschenmassen auflösen. Lest einfach selbst, ich will gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn derartige Waffen in die Hände heutiger Regime fallen
- A Solar Refrigeration System, Carried by Camels – Kamele in afrikanischen Wüsten tragen mittlerweile solarbetriebene Kühlsysteme auf dem Rücken
- Wie Kniebeugen richtig ausführen? – In jedem Fitnessstudio wird dazu geraten, bei Kniebeugen mit der Langhantel (der ultimativen Killer-Beinübung) die Knie nicht nach vorne zu beugen. Fälschlicherweise
- TSA tests scanner for car bombs – Vom technischen Standpunkt können Autos mittlerweile vollständig bis ins kleinste Detail durchleuchtet werden. Irgendwo gab es eine wunderschöne Abbildung eines solchen Scans, welche ich aktuell leider nicht finden kann
- Bundes-Email – Der Bundesschäuble plant, jedem Bundesbürger eine einwandfrei identifizierbare Emailadresse zu verschaffen. Eine Idee mit Potential, dass die Telekom mit im Boot sitzt und die Datensammelwut der Regierung disqualifizieren das ganze
- Glenn Gould Interviews Glenn Gould about Glenn Gould – Absolut genial. Glenn Gould, der Pianist, welcher stets mit kyphotisch verbogenem Rücken, extrem tief auf seinem selbstkonstruierten Stühlchen am Flügel saß und beim Spielen mit seinem Mitsummen sämtliche Aufnahmetechniker in den Wahnsinn trieb, interviewt sich selbst. Undbedingt lesen!
Hamsterbacke

Das wars dann wohl – für zumindest zwei meiner Dentes serotini.