Informatik & das Zentralabi

Es ist beschlossene Sache, dass auch ich 2009 mit dem Zentralabitur bestraft werden werde. Zentralabitur, für die Nichteingeweihten, bedeutet, dass eine zentrale Abschlussprüfung von Bildungsministerium des betreffenden Bundeslandes gestellt wird, und nicht mehr von den zuständigen Lehrern.

Exakt dieses Jahr wurde dem ersten Jahrgang dieses Zentralabitur gestellt, was sich das Lokalblatt “Kölner Stadt-Anzeiger” zum Anlass genommen hat, in einer Serie einige der Aufgabenstellungen abzudrucken. Und exakt hier wird es interessant, denn die Aufgabe in Informatik bestand dieses Jahr darin, einen Routenplaner in der absolut unsäglichen Programmiersprache “Delphi” zu implementieren. Die Aufgabe wird sich in den nächsten Jahren ändern, die zu verwendende Programmiersprache aber auf keinen Fall.

Sicherlich ist die Aufgabenstellung unter informatischen Aspekten betrachtet interessant, und einigermaßen anspruchsvoll, aber die Vorgabe, dieses Programm in Delphi schreiben zu müssen, ist mindestens unglücklich. Ich werde in einigen Punkten erläutern, warum.

- Delphi ist vollkommen an Windows gebunden, da es auf dem Win-API aufbaut, d.h. Benutzer fortschrittlicher Betriebssysteme wie Unix, Mac OS X* oder Linux kommen hier zu kurz. Nein, die Delphi-Alternative “Kylix” stellt hier kein Gegenargument dar, da sie seit langem nicht mehr gepflegt wird. Desweiteren würde die Verwendung einer plattformübergreifenden Programmiersprache/Scriptsprache noch nicht einmal bedeuten, dass man sich auf Kommandozeilenprogramme beschränken müsste, da Applikationen, welche auf Java/Swing, C++/QT, C++/GTK, Python/pyGTK,…, aufbauen auf allen “großen” Plattformen unfallfrei kompilieren/laufen.

- Delphi ist tot, und hier kommt es auch zu einer Definitionsfrage des Begriffs “Schule”. Zweifelsohne ist es Zweck der Schule, dem Schüler Dinge beizubringen, von denen er in seinem Berufsleben profitieren kann. Nur ist Delphi im produktiven Umfeld anscheinend äußerst unpopulär, wer sich davon überzeugen will, brauch sich lediglich das Stellenangebot des IT-Bereiches ansehen. Enorm selten werden hier Kenntnisse in Delphi vorausgesetzt, häufiger ist von Java, C++, C#, C, Python oder gar Perl/PHP die Rede. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet wäre es sogar besser, eine andere Windows-proprietäre Geschichte wie C# oder Visual C++ zu verwenden.

- Die Informatik besteht bekanntlich nicht auschließlich aus dem Programmieren. Von daher wäre es sinnvoller, eine hardwarenähere Sprache wie C zu verwenden, da diese mindestens grundlegende Kenntnisse der theoretischen Informatik, wie Pointer, Stack, etc. vorraussetzen.

- Delphi ist keine freie Software, im Gegensatz zu Sprachen wie C, C++ oder Java, wo mehrere Compiler frei verfügbar sind. Auch die Interpreter für die gängigen Scriptsprachen Perl, Ruby und Python stehen unter freien Lizenzen.

Mir graut schon davor, mich dieses und das 12. Schuljahr mit Delphi herumärgern zu müssen.

* Bitte hier keine Klugscheisserei, ich weiss, dass Mac OS X zur Schnittmenge der Unixe gehört.

2 Kommentare...

  • Kommentar von Wicki #1
    Sonntag, 15. April 2007, 12:32

    “Delphi ist keine freie Software”
    Man sollte aber erwähnen, dass es den Compiler/IDE “FreePascal” gibt, die unter Windows und Linux läuft, und durchaus “frei” ist (IMHO sogar OS).

    “Die Informatik besteht bekanntlich nicht auschließlich aus dem Programmieren. Von daher wäre es sinnvoller, eine hardwarenähere Sprache wie C zu verwenden, da diese mindestens grundlegende Kenntnisse der theoretischen Informatik, wie Pointer, Stack, etc. vorraussetzen.”
    Warum nicht gleich ASM?

  • Kommentar von Mathias #2
    Sonntag, 15. April 2007, 05:55

    FreePascal ist aber nur ein TP-Compiler, oder? Wie man damit Delphi-Programme kompilieren soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

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